Nach Hause kommen

Die beruhigend kühle Türklinke in der Hand merke ich, dass ich eine lange Weile unterwegs war. Langeweile hatte ich dort sicher nicht; der Urlaub war aufregend, ausufernd, atemberaubend. Die Türe öffnet sich und öffnet mich, als mir der Geruch von Heimat entgegen kommt. Mein Innerstes füllt sich, nimmt ihn dankend an, er gibt mir Atem wieder, den mir so mancher Urlaub nahm.

Aus meiner Hosentasche rinnt schon bald der Sand, den ich unwissentlich, unwillentlich mitbrachte. Hinterlässt eine Spur vom Außen und zieht sie, verhindern kann ich's nicht, in die Tiefen meines Heims. Das ist grad noch voll in Ordnung; in Ordnung bringen krieg' ich hin. Vielleicht nicht jetzt und auch nicht bald, doch Dreck wird hier bestimmt nicht alt.

In meinen Flur, da stell ich Taschen, die randvoller nicht gingen. Voll von diesem, jenem und, wie ich gesteh, Kram, den ich wirklich, gar nicht, niemals brauch(te). Zu meinem riesiggroßen Glück hab ich 'nen riesen Flur. Da ist so viel Platz zum Stehen und Sortieren! In aller Ruhe kann ich, wenn ich angekommen bin, stehen, denken, sehen: wieso, weshalb, wohin?

Ich bin schon wieder in Gedanken sofort bei allem, was bald folgen muss und soll. Der ganze Sand, all das Gepäck, das ich ewig schnaubend mit mir schlepp' Dunkler Geist verfällt in leuchtend helle Panik, ich muss jetzt, alles, sofort, mehr tun. Spontan fällt mir dann geistreich ein: das muss hier zum Glück nicht sein.

Denn, erst mal, tu' ich hier nur das.

Hier kann ich sein, hier kann ich werden, wenn ich denn dann will. Hier muss ich nicht, hier kann ich, wenn ich mich dann trau. Hier hab' ich keine Angst, hier hab' ich blinden Mut, wann immer ich ihn brauch.

(Gott, wie ich es liebe, nach Hause zu kommen.)