Das Mädchen und der Himmel
Schwarzblauer Himmel vor dem Fenster, lila Dampf über den Händen, Lavendel in der Nase. Die Hände halten eine Tasse.
Obwohl sie nicht beten, gleicht das Begleitwort einem Stoßgebet;
Wenn die Sterne richtig stehen, so sagt sie, dann wird es gut.
Abende ziehen, Nächte gehen und der Morgen kommt ungefragt und immer wieder. Das Störgebet wird lauter, fängt dröhnend an zu flehen;
Wenn die Sterne richtig stehen, so sagt es, dann wird es gut.
Vor dem Fenster ein Teleskop. Müde Augen untersuchen den noch müderen Himmel in schwarzblau. Er ist es leid, begafft zu werden. Hoffentlich, so meint er, hört sie bald auf zu suchen;
Wenn die Sterne richtig stehen, so meinen beide, dann wird es gut.
Vor dem Fenster eine Leiter. Zitternde Hände halten sich, ziehen ihr übermüdetes Anhängsel von Körper mit letzter Kraft empor. Jede Sprosse knarzt, jeder Schritt ist und bleibt ein Akt der Gewalt. Für sie, den Himmel und Alles dazwischen.
Die Sterne stehen nicht richtig. Taten es nie.
Die Augen sehen nicht richtig. Könnten das nie.
Die Hände aber,
sie sind dem Himmel gleich;
sie sind es leid.
Gemacht sind sie zu machen und so kam's;
dass, an diesem Abend dann,
nach langem Tee trinken und Warten,
die Sterne richtig standen.
Einer nach dem anderen werden sie aus dem Himmel gerissen,
ohne Rücksicht.
Gesammelt in einem Laubhaufen aus Licht,
trotz Angst.
Dann nach Größe und Form sortiert,
mit Bedacht.
Collagen sind doch ein Medium für sich. Dauern lang, machen viel und kosten Kraft. Das hatte sie so nicht bedacht.
Entschuldigende Hände und freudenfeuchte Augen vor dem Fenster. Dahinter der müde Himmel, in hämatomschwarzblau.
Zerrissen, entkernt und neu zusammengesetzt.
Wenn die Sterne richtig stehen wollen, so sagt sie, dann bleibt es so, und so schläft sie ein.
So schläft sie ein noch ohne zu wissen, ob sie weiß, was richtig ist, und was richtig bleibt.